Brand Factory Group

Donnerstag, 16. April 2009

Moin oder Main?

Die Kreative Diffusion vom Norden in den Süden.

Eines ist ja wohl klar: Kreative Agenturen gibt es nur in Hamburg. Kreative Menschen nur in Berlin. So sehen es jedenfalls die einschlägigen Interviewpartner der noch einschlägigeren Fachpresse. „...deshalb haben wir ein Büro in Berlin eröffnet.“ und „...sind somit mit einem Hotshop am kreativen Hotspot vertreten.“ liest man an allen Ecken und Kanten.

Frankfurt wird im Allgemeinen vergessen. Kein Wunder. Die Hamburger Schule hat der Frankfurter Schule den Rang abgelaufen. Und die in Berlin sitzenden kreativen Hochstapler bringen es auf mehr Höhenmeter, als Frankfurts gesamte Skyscraper im Bankenviertel. Zugegeben: Schön ist beides nicht.

Doch hat sich in Frankfurt in den letzten Jahren ein Pool kreativer Menschen gebildet, der es mit den vermeintlich weltoffenen Kreativschmieden in Hamburg und den multikulturellen Kreativen Berlins aufnehmen kann. Der Versuch eines Vergleichs:

Straßenschlachten
Stammen aus Frankfurt. Obwohl sich die Adaption der Hamburger sehen lassen kann. Vorsicht: Nicht verwechseln mit Straßenschluchten!

Beachclubs
Kommen aus Frankfurt. Heißen hier nur etwas bodenständiger Sandkästche und liegen in Sachsenhausen statt am Main.

Szeneviertel
Der Begriff wurde geprägt in Frankfurt. Waren um den Bahnhof und die Hauptwache angesiedelt. Prägendes Erkennungszeichen der Bewohner: Gürtel am Arm.

Techno
Sven Väth ist nicht nur Frankfurter. Er ist der Godfather of techno in Deutschland und Wegbereiter für alle Elektro-Hipster in Berlin und Hamburg.

Tor zur Welt
Wenn auch von den Römern erfunden, stammt der Begriff aus Frankfurt und Umgebung. Er bezeichnete die regelmäßigen Durchgänge im Limes.

Noch fragen? Dann mailt uns!

Donnerstag, 9. April 2009

Der Umwelt zuliebe?

3-Liter-Autos und ihre Nebenwirkungen auf Männer.

Hamburg. Oder Köln-Bonn. Auf jeden Fall war es am Taxistand eines großen deutschen Flughafens. Sehen auch alle gleich aus. Zwei Werber unterhalten sich. Zeit musste überbrückt werden.

Werber 1: „Hab mir jetzt ’ne 3-Liter-Kiste geholt.“

Werber 2: „Mmh?“

Werber 1: „Ganz schön schickes Teil!“

Werber 2: „Ja, großartig! Hab auch eins. Huiuiui!“

Werber 1: „Mmh?“

Werber 2: „Jupp. Hat jeden Schnickschnack drin. Naja, außer ’ner Parkhilfe.“

Werber 1: „Hehehe...“

Werber 2: „Aber das Ding geht ab wie Sau!“

Werber 1: „...?!?“

Werber 2: „Ich sach Dir – ein Mordsgeschoss! Liegt wie’n Brett auf der Gasse. Frisst sich regelrecht über die Straße, und nimmt jede Kurve! Auch noch bei 250 Sachen. Ich sach Dir: der Hammer!!!“

Werber 1: „Aber mit 3-Lit..."

Werber 2: „Ja genau! 3 Liter, Alter! Muuuuäääähhhhm! 270 PS! Diesel! Is eigentlich kein Auto, is’n Rammbock...! Weißte!"

Werber 1: „Ähm. Ich meinte eigentlich 3 Liter Verbrauch...“

Werber 2: „Taxi!“

Werber 2 wurde seit dem nicht mehr gesehen. Manche munkeln, dass sich einfach vor den Augen seines Kollegen in Luft aufgelöst hat. Einige Taxifahrer erzählen sich beim Feierabendbier von dem Irren, der sich von einem Taxi in ein kleines Bergnest am Ural hat fahren lassen. Er soll da bis heute als Einsiedler leben. Selbstversorger. Die einzige 3-Liter-Schüssel, die er noch hat, benutzt er zum Wasserholen am Dorfbrunnen.

Werber 1 hat es nicht viel besser getroffen. Erst seit einer Woche kann er wieder normal sprechen. Ohne zu lachen. Er hat nächste Woche einen plastischen OP-Termin, bei dem die Ärzte versuchen ihm das Grinsen wieder aus dem Gesicht zu operieren. Ein Angebot von Warner Brothers hat er in letzter Sekunde dankend ausgeschlagen. Heath Ledger musste für ihn die Rolle des Jokers in Batman übernehmen.

Donnerstag, 26. März 2009

Alles, nichts, oder?

Vom Leben und Streben des Art-Direktors.

Wer kennt sie nicht, die blassen Gestalten, leidlich -zusammengehalten von ein wenig Designerstoff, Koffein und dem Glauben an die eine, die bessere Idee. Mein Name tut hier nichts zur Sache, nur so viel: Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Das ist schon viel Privatleben für jemanden meiner Zunft. Denn meistens friste ich mein Dasein hinter einem, zugegeben schicken Stück kalifornischer Technik und versuche das, was viele schon im Ansatz in den Wahnsinn treiben würde, nämlich aus einer Idee etwas, wenn nicht Greifbares, so doch Sichtbares zu machen.

Meistens ein Bild, deswegen ja auch das „Art“ in der Berufsbezeichnung. Das steht eben nicht für „so ’ne Art Direktor“, sondern für Kunst und das kommt nicht vom Können, sondern vom Versuchen und so sind auch meine Tage geprägt von Versuchen. Den Versuchen nämlich, meinen Mitmenschen (Beratern, Kunden und sonstigen Ungläubigen) zu vermitteln, was ich mir denn in meinem verklebten Kreativgehirn jetzt wieder ausgedacht habe – und um es vorwegzunehmen: Nein, ich weiß nicht, was das jetzt wieder kostet.

Wo wir bei den Kosten sind, was nichts kostet, ist auch nichts wert, so oder so ähnlich hat das schon mein Opa formuliert. Gut, der hatte keine Ahnung von Werbung, aber das musste er auch nicht. Wie jeder weiss, ist in der Werbung manches anders und vieles ganz anders, denn unsere (sprich des ADs) Uhren ticken oft nicht richtig, um nicht zu sagen: falsch. -Dafür können wir aber nichts. Schuld ist eine durch zu häufige Nachtarbeit, verursachte eklatante Störung der inneren Uhr und ein schlichtes Fehlen von Zeitgefühl.

Dies hängt, zur Freude von Kunde und Geschäftsleitung, damit zusammen, dass, wenn er so völlig abgetaucht ist in seine komische, bunte, sauerstoffarme AD-Welt, er seine Umwelt schlicht vergisst. Und wenn er die -vergessen hat, weiß er auch nicht, wie lang er dafür gesessen hat – meistens länger, als man es berechnen kann und es für die Beziehung gut wäre. Aber dafür leben und streben, layouten und grübeln wir, die Pixelschubsen, die Vectorwizards und Typomaniacs.

Geht liebevoll mit dem um, was wir schaffen, denn wir hängen dran. Seht es uns nach, wenn wir, wie eine Löwenmutter, um unsere Ideen kämpfen. Bitte sagt nie wieder: Das sind doch die, die die bunten Bildchen machen. Das stimmt zwar zum Teil, will aber keiner hören. Denn wir sind manchmal auch, wie Diven so sind, zickig. Und wenn ich, kleiner AD, groß bin, werde ich CD und was der macht, davon beim nächsten Mal mehr.

Freitag, 13. März 2009

Pausenlos arbeiten ist ungesund!

Bleibt die Frage: Woher die Pausen nehmen?

Das ist zugegeben manchmal gar nicht so einfach. Gut, dass Sie ein paar kreative Menschen wie uns kennen. Daher ausnahmsweise an dieser Stelle unser bewährter Pausen-Ratgeber für den langen 8-Stunden-Tag kreativ tätiger Agentur-Menschen:

- Die Morgens-Ankomm-Pause
- Die Frühstückspause
- Die Zigaretten-Pause
- Die Pause danach
- Die Müsli-Pause
- Die Zigaretten-Pause
- Die „Wo ist denn die Gala?“-Pause
- Die Zwischendurch-Pause
- Die Naturkost- Raspel-Pause
- Die „Ich muss mal“-Pause
- Die Privatanruf-Pause
- Die Zigaretten-Pause
- Die gemeine Arbeitspause
- Die „Weißt Du schon?“-Pause
- Die Zigaretten-Pause
- Die Aldi-Einkauf-Pause
- Die Koch-Pause
- Die Essenspause
- Die After-Mittagessen-Pause
- Die Zigaretten-Pause
- Die Nachmittags-Pause
- Die „Happy Birthday“-Pause
- Die Baby-Pause
- Die Spätnachmittags-Pause
- Die “Deine Oma ist dran“-Pause
- Die Zigaretten-Pause
- Die Sonnenuntergangs-Pause
- Die Durchschnauf-Pause
- Die Zigaretten-Pause
- Die Vorabend-Pause
- Die Burn-out-Syndrom-Pause
- Die Zigaretten-Pause
- Die Vorfeierabend-Pause
- Die Final-Pause

Montag, 2. März 2009

Inglorious Basterds

Werbung im Schatten von Quentin Tarantino

Wenn Leichenteile durch die Luft propellern wie ein Bell UH-1 Helikopter, ein 69er Dodge Charger sowie ein 73er Ford Mustang die Hauptrolle spielen und jeder vom Big Kahuna Burger schwärmt, dann befindet man sich in der Welt von Quentin Tarantino. Oder?

Möchte man meinen. Doch noch vielmehr befindet man sich in der Welt der heroisierten Marken und Must-Haves. Während im normalen Film sich der Umgang mit Marken je nach Produktion ändert und deren Hersteller mal wegen Schleichwerbung angeprangert, mal wegen perfekt inszeniertem Productplacement hochgejubelt werden, feiert der Meister des hochkarätigen Trashs nicht nur mit jedem Film seine persönliche Hommage an das Kino vergangener Tage. Nein. Er inthronisiert die Marke an sich als heimlichen Helden.

Wer hat nach Death Proof nicht seine bis dahin vergessene Liebe zu den pferdestarken Musclecars der Testosteronschmieden Ford und Dodge wiederentdeckt. Wer nicht wieder sein altes, obwohl immer triefendes Zippo wieder aus dem Schuhkarton gekramt, nachdem er Mr. Blonde in Resorvoir Dogs gesehen hatte. Diese Filme stiften Identifikation. Sie haben die Macht Marken zu bilden, wiederzubeleben und aus der Schublade der Vergessenheit wieder ans Tageslicht zu befördern.

Doch woher kommt diese Macht? Es sind die Geschichten. Es sind die Bilder. Es ist das ungebremste Wollen, Helden zu erschaffen – materiell wie immateriell. Gut wie Böse. Es ist aber auch gerade diese Macht, die uns vor Augen hält, was Werbung oft genug nicht schafft: Identifizierung zu stiften. Kein Wunder – denn der glückliche, erfüllte Familienvater mit Zeit für Beruf, Familie, Hobbies, Freunde und dem glücklichen Händchen für Selbstverwirklichung beim Modellflugzeugebauen mit seinem Sohn existiert nicht.

Sollte uns das Sorgen machen? Vielleicht. Aber wenn dann erst nach dem nächsten Tarantino.